Verkäuferin trägt Kopftuch an der Kasse – Bürgermeister empört über „ausländerfeindliches Verhalten“
ISENBÜTTEL. Die 43-jährige Sabiha Gökkus sitzt an der Kasse des Rewe-Markts in Isenbüttel und begrüßt die Kunden freundlich in akzentfreiem Deutsch: „Hallo Frau Hinkel, wie geht es Ihnen?“ Sie lebt schon seit mehr als 30 Jahren im Ort, ist Elternvertreterin in der Haupt- und Realschule, ihre Kinder spielen im MTV Fußball. Voll integriert. „Ich kenne fast alle Kunden mit Namen.“
Doch dass die Verkäuferin während der Arbeit von manchen diskriminiert wird, das habe sie nicht gedacht. Denn: Die gebürtige Türkin ist Muslimin und trägt ein Kopftuch. Erst vor kurzem habe eine Frau ihren Einkaufswagen ans Förderband gerollt, Gökkus gesehen, empört geschaut, den Wagen zurückgelassen und ohne einzukaufen den Laden verlassen, berichtet die Filial-Inhaberin Katrin Bornemann. Von anderen Kunden habe sie erfahren, dass sie wegen des Kopftuchs nicht mehr im Markt einkaufen wollen.
Einzelfälle? „Nein“, sagt Gökkus, „ich merke nicht selten am Blick der Kunden, wie fassungslos sie über das Tuch sind.“ Um eine Brücke zu bauen, habe sich allerdings schon ein humoriger Satz bewährt: „Sie können ruhig zu mir kommen. An dieser Kasse ist es genauso teuer wie an den anderen.“
Dennoch: Lustig findet sie das Verhalten nicht. Die Diskriminierung geschehe hinter ihrem Rücken, von Kollegen erfahre sie es hinterher. „So etwas ärgert mich! Wir sind doch ein multikulturelles Europa, das geht über mein Verständnis hinaus.“ Natürlich sei sie auch schon gefragt worden, warum sie das Kopftuch trägt. „Das ist meine Religion, das hat nichts mit Zwang oder verweigerter Anpassung zu tun.“
Für Markt-Inhaberin Bornemann ist das Tuch jedenfalls kein Problem: „Frau Gökkus hatte mich schon bei der Einstellung dazu gefragt.“ Sie werde es auf keinen Fall verbieten, so sei es abgesprochen. „Für mich spielt Toleranz eine große Rolle“, so Bornemann – die höre allerdings bei ausländerfeindlichen Parolen auf. Zum Glück kämen die nur von einen geringen Teil der Menschen. „Die meisten Kunden kennen Frau Gökkus ja sehr gut.“
Die Vorkommnisse im Supermarkt hatten vorgestern auch Auswirkungen auf den Gemeinderat. Selten gibt es dort lauten Applaus, noch seltener von allen Seiten und von den Zuhörern gleichermaßen. Bürgermeister Peter Zimmermann (SPD) hatte nur seine Meinung zum Verhalten weniger Kunden gesagt: „Das wird nicht geduldet!“ Zum Thema Kopftuch am Arbeitsplatz gebe es ein eindeutiges Urteil des Bundesverfassungsgerichts.
Das Bundesverfassungsgericht entschied 2003: „Das Tragen eines Kopftuchs … fällt unter den Schutz des Grundrechts der Glaubensfreiheit.“
newsclick.de
2 Kommentare
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Ich bin in der gleichen Situation wir Frau Gökkus.
Aber sie hat grosses Glück ,dass ihre Cheffin sie unterstützt.
Ich bin aus meinem Erziehungsurlaub mit Kopftuch zurück gekommen.
Die Marktleitung hat alles versucht ,damit ich mein Kopftuch abmache.
Doch wieil ich meine Rechte kenne ,und mein Glaube vorgeht ,habe ich mich
durchgestzt und jetzt sitze ich auch seit einem Monat an der Kasse bei Kaisers.
Es haben sich viele Kunden über mich beschwert.Eine hat mich sogar bei der arbeit
so richtig angemotzt biiss ich in Tränen ausbrach.
Es tut sehr weh…
Wenn die Kundin jetzt bezahlen will,lässt sie sich eine andere Kasse aufmachen.
Ich werde nicht aufgeben..